Mediation - eine unterschätzte Methode zur Konfliktbeilegung

Aktualisiert: 23. Nov 2020

Für die Beilegung eines privaten oder geschäftlichen Konflikts gibt es zahlreiche Möglichkeiten und Verfahren. Wenn wir gefragt werden, wie ein bestehender Konflikt bewältigt werden kann, kommt uns zunächst der gerichtliche Weg in den Sinn. Der Gang ans Gericht bietet den Konfliktparteien eine staatlich begleitete Lösung und mündet in einem Urteil basierend auf die geltenden Gesetze. Neben dieser gerichtlichen Konfliktbeilegung gibt es aber zahlreiche alternative Möglichkeiten, wie ein Konflikt bearbeitet und gelöst werden kann: (1) Verhandlung (2) Vermittlung, Konfliktmoderation (3) Mediation (4) Schlichtung (5) Schiedsverfahren etc.


In diesem Beitrag möchte ich aus aktuellem Anlass die Mediation genauer vorstellen. Ich habe mich in den letzten Wochen an der Konstanzer Schule für Mediation intensiv mit verschiedenen Mediationstechniken und -verfahren auseinandergesetzt. Mein persönliches Fazit aus der Ausbildung ist, dass die Mediation eine sehr gute Möglichkeit sein kann, Konflikte einvernehmlich zu lösen. Die Mediation wird aber landläufig immer noch weit unterschätzt. Um diesem Umstand entgegenzuwirken, möchte ich nachfolgend die Mediation in den Grundzügen vorstellen. Für weiterführenden Fragen oder Anfragen zu einer konkreten Durchführung einer Mediation können Sie mich gerne kontaktieren.



Mediation (lat. "Vermittlung") gehört zu den alternativen Konfliktbeilegungsmethoden und ist charakterisiert als ein aussergerichtliches, vertrauliches und strukturiertes Verfahren, bei dem die Parteien mit Hilfe eines oder mehrerer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Konfliktbeilegung anstreben. Die Konfliktparteien (auch Medianten oder Medianden) versuchen im Ergebnis eine gemeinsame Vereinbarung abzuschliessen, die ihren persönlichen, individuellen Bedürfnissen und Interessen entspricht. Die Mediation verfolgt dabei einen interdisziplinärer Ansatz an der Schnittstelle zwischen rechtswissenschaftlichen, psychosozialen und verhandlungstheoretischen Ansätzen, mit welcher Konflikt- und Verhandlungstheorien, psychologische Problemlösungen, Elemente aus der Psychotherapie sowie die systemische Therapie Berücksichtigung finden.


Als Grundidee der Mediation dient das Modell der Eigenverantwortlichkeit der Konfliktparteien. Ein Mediator führt durch den Mediationsprozess, während die Parteien für den Inhalt verantwortlich zeichnen, da sie am besten wissen, wie es zum Konflikt gekommen und wie dieser auch wieder zu lösen ist. Jeder Konflikt beinhaltet seine Eigenheiten und Besonderheiten und verdient dadurch eine individuelle Bearbeitung. Die Teilnahme an der Mediation ist für alle Konfliktparteien freiwillig. Sie behandeln die Themen und Informationen im Mediationsverfahren vertraulich - allfällige Ausnahmen werden vorab einvernehmlich vereinbart. Alle einscheidrelevanten Tatsachen müssen stets offen, transparent und vollständig auf den Tisch kommen, so dass die Konfliktparteien informiert sind (sog. Informiertheit). Der Mediator ist allparteilich, d.h. er steht als Vermittler auf keiner Seite und gibt allen Konfliktparteien gleich viel Raum bei der Diskussion.


Das Verfahren lässt sich in mehrere Phasen unterteilen (Phasenmodell):

  1. Phase: Rahmen für die Zusammenarbeit klären - Arbeitsbündnis

  2. Phase: Entwicklung der regelungsbedürftigen Themen - Themenliste

  3. Phase: Konflikterhellung und -bearbeitung - Interessenklärung

  4. Entwicklung von Lösungen - provisorische Liste von möglichen Lösungen

  5. Abschliessende Vereinbarung

Je nach Mediationsfall kann sich das Verfahren auch etwas anders gestalten, was an der Individualität jedes Einzelfalles liegt.


Die Konfliktlösungsmethode "Mediation" hat mich in vielerlei Hinsicht überzeugt. So fördert die Mediation die Selbstbestimmung und die Planungssicherheit bei allen beteiligten Konfliktparteien, da keine Entscheidung durch Dritte erfolgt. Lösungen aus der Mediation sind zukunftsorientiert und beinhalten hohe Erfolgschancen unter angemessener Berücksichtigung aller Standpunkte, Interessen und Ziele der Konfliktparteien. Mediation ist ein unbürokratisches, flexibles Verfahren und erhält bzw. verbessert die geschäftlichen bzw. persönlichen Beziehungen unter den Konfliktparteien. Sodann ist das Mediationsverfahren meist deutlich kürzer als ein Gerichtsverfahren, insbesondere wenn über alle Instanzen prozessiert wird. Mediation führt auch zu Kostenreduktion, Schonung personeller und betrieblicher Ressourcen sowie Vermeidung von zwischenmenschlichen Reibungsverlusten. Mediation beinhaltet auch Vertraulichkeit, Bewahrung von Geschäftsgeheimnissen und Wahrung der Reputation.


Leider ist das Bewusstsein, welche Vorteile die Mediation in einem Konflikt bietet, in der Bevölkerung noch nicht so weit verbreitet. Meine persönlichen Erfahrungen mit der Mediation sind derweil durchwegs positiv. Wenn immer möglich, werde ich deshalb auf diese Möglichkeit und den Chancen und Vorteilen hinweisen in der überzeugten Haltung, dass die Selbstverantwortung und die Selbstbestimmung der Parteien unter Schonung aller Ressourcen immer noch der Königsweg in der Konfliktbewältigung sind.

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